EDV-gestützte anwaltliche Beratungsprodukte

Gestern haben Dr. Jochen Notholt und ich beim EDV-Gerichtstag in Saarbrücken unseren Arbeitskreis veranstaltet zum Thema „EDV-gestützte anwaltliche Beratungsprodukte“. Als Experten hatten wir Dennis Breuer in unserer Mitte, von dessen innovativen Projekten ich hier schon mehrfach berichtet habe und über den es in der Tagungsbroschüre so schön heißt:

(…) Rechtsanwalt Dennis Breuer [ist] Partner der Kanzlei Breuer Lehmann Rechtsanwälte in München. Durch eine stark produktbezogenen und EDV-gestützte Strategie gelang es der Kanzlei in wenigen Jahren, einen Spitzenplatz unter den deutschen Kanzleien mit den meisten Markenanmeldungen zu erreichen (laut Fachmagazin „World Trademark Review“).

Anwaltliche Beratung in Zeiten des Internet

Als Ausgangspunkt unserer Überlegungen diente uns ein Flugverspätungsfall, bei dem der Betroffene anwaltlichen Rat sucht. Typischerweise bemüht der Mandant nicht nur das Internet, um den passenden Anwalt zu finden, sondern er wird sich auch schon vorab informieren (vgl. hierzu etwa Gunter Dueck: „Vernetzte Welten: Traum oder Alptraum?“).

Nach der herkömmlichen Methode wird der Anwalt dann im persönlichen Gespräch den Sachverhalt ermitteln und den Fall individuell bearbeiten.

Standardisierte Lösungen für individuelle Probleme

Es geht aber auch anders. Zur Inspiration haben wir uns dazu Online-Angebote aus anderen Branchen angeschaut mit innovativen Ansätzen für Dienstleistungen, die üblicherweise auch individuell erbracht werden: Ärzte, Optiker und Maßschneider.

Maßgeschneiderte Rechtsdokumente“ versprechen Plattformen wie SmartLaw, wobei das eher das Formularhandbuch ersetzt. Es gibt aber auch weitergehende Angebote in verschiedenen Nieschen: Um Flugverspätungen kümmert sich flightright, um rechtssichere Websites website-check.de. Firmengründungen gibt es bei LegalZoom oder Go Ahead. Bei der Einwanderung hilft Bridge US.

Interessant waren vor allem die Beispiele, die der Kollege Breuer vorstellte: tmdb ist eine riesige Datenbank zum Markenschutz, die kostenlos angeboten wird. Damit und mit weiteren Plattformen wie MarkenChk, Wir lieben Marken und markenmagazin:recht beweist die Kanzlei, dass Sie im Markenschutz zu Hause ist. Die Kanzlei bietet ihre Dienstleistung in standardisierten Paketen mit transparentem Leistungsinhalten und Preisen an. Besonders bemerkenswert finde ich den Dienst Prionachweis – entstanden aus dem Bedürfnis heraus, Ideen schützen zu wollen – der vollautomatisch abläuft.

Entwicklung und Vorteile

Bei der Entwicklung gilt es laut Breuer zunächst, Strukturen in seinem Rechtsgebiet zu erkennen und herauszuarbeiten, dies sich (teil-) automatisieren lassen. Zur Umsetzung sei technisches Verständnis hilfreich, aber nicht Voraussetzung, da man als Jurist auf Programmierer zurückgreifen könne. Notholt hob den Qualitätsgewinn durch strukturiertes Abarbeiten der Fälle hervor – unabhängig von der eingsetzen Technik.

Breuer gab zu bedenken, dass zwar zunächst viel Aufwand von Nöten sei, um ein neues System zu etablieren. Dann aber habe man den Riesenvorteil, dass man das „hochfahren“ könne und das „skaliere“. D. h. man muss als Anwalt nicht wie sonst üblich doppelt so viel arbeiten, um doppelt so viel zu verdienen.

Was bringt die Zukunft?

Vor dem Computer sitzen und Webseiten anklicken ist ganz nett, aber die Zukunft sieht anders aus. Zum Schluss versuchte ich noch auszumalen, wie die anwaltliche Dienstleistung von digitalen Assistenten erbracht werden könnte. Dass es einen Über-Anbieter geben wird, ähnlich der Entwicklung von Amazon bei den Warenhäusern, wurde für unwahrscheinlich gehalten.

Rege Diskussion

Wir hatten unsere Veranstaltung nicht als Vortrag, sondern als Fachgespräch konzipiert. Als Zuhörer hatten wir – wie eine Umfrage ergab – fast ausschließlich Anwälte, die sich auch rege an der Diskussion beteiligten. Kollegen aus dem diesjährigen Gastland Frankreich waren leider nicht dabei, so dass wir auf die erstmalig beim EDV-Gerichtstag angebotene Simultanübersetzung verzichten konnten.

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