DLA Piper startet Weblog zum Technologierecht

Wenn man Wikipedia glauben darf, ist DLA Piper eine der größten und die umsatzstärkste Anwaltskanzlei weltweit. Heute startete die Kanzlei das “Technology & Sourcing Blog“ zum Technologierecht unter http://blog.dlapiper.com/de/technology. Ich sprach mit meinem Freund und Kollegen Dr. Jochen Notholt, der bei DLA Piper in München als Anwalt in diesem Bereich arbeitet. Er war an der Entwicklung des Blogs maßgeblich beteiligt und ist für das Weblog erster Ansprechpartner.

 

Mein Glückwunsch zum Start des neuen Weblogs! Wie schwierig ist es, so ein Projekt in einer internationalen Großkanzlei anzuschieben?

Das „Anschieben“ war, gemessen am Aufwand, der letztlich so einem Projekt steckt, ziemlich einfach. Nachdem wir in unserem Team den Plan entwickelt hatten, mussten wir innerhalb der Kanzlei kaum echte Überzeugungsarbeit leisten.

Organisatorisch läuft so ein Projekt natürlich trotzdem anders als bei den meisten anderen bloggenden Anwälten. Da kann man nicht einfach WordPress auf dem Büroserver installieren und drauflos bloggen.

Was ich vielleicht erstmal sagen sollte, damit manches klarer wird: Das Projekt hat sich nicht ganz „geradeaus“ entwickelt. Eigentlich wollten wir deutschen Technologie-Anwälte nämlich kein Blog machen, sondern einen Newsletter. Ich hatte vorher schon viele Blogs hoffnungsvoll starten und dann schnell wieder eingehen sehen, deshalb war ich zuerst etwas skeptisch. Dann wurde uns aber klar, dass Newsletter, wenn man sie vernünftig machen will, letztlich schwierig zu verwalten sind. Irgendwann dachten wir uns dann: Warum nicht lieber ein Blog machen, und daraus quasi als Nebenprodukt einen Newsletter produzieren? Da schlagen wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Wie lange dauerte die Vorbereitung?

Die dauerte schließlich schon etwas länger als ich es von bisherigen Projekten dieser Art kannte. Das liegt daran, dass unser Technology & Sourcing Blog ein weltweites Pilotprojekt innerhalb der Kanzlei ist. Die technischen Grundlagen mussten also, wie man so schön sagt, skalierbar sein. Wenn unser Blog gut läuft, können auch unsere Arbeitsrechtler in Frankreich oder unsere Gesellschaftsrechtler in den USA eigene DLA-Piper-Blogs betreiben. Das geht künftig ohne größeren technischen Aufwand. Die Einrichtung dieses Systems hat aber natürlich erstmal einen größeren Aufwand erfordert und entsprechend länger gedauert. Vom ersten „Anschieben“ bis heute ist ein gutes halbes Jahr vergangen. 

Was erwartet uns jetzt in dem neuen Blog? Worüber soll berichtet werden?

Im Technology & Sourcing Blog informieren wir unsere Mandanten und andere Interessierte zum einen über aktuelle Entwicklungen im Technologierecht, zum anderen über unsere sonstigen Aktivitäten. Wir schreiben also über interessante Urteile und auch darüber, wenn wir etwas veröffentlicht haben oder einen Vortrag halten. Wir wollen aber im Blog nicht nur berichten, sondern auch in kurzen Beiträgen zeigen, wie wir mit aktuellen rechtlichen Entwicklungen in der Praxis umgehen.

Wer schreibt die Beiträge?

Die Beiträge schreiben die Anwälte unseres Fachbereichs direkt ins Blog. Jeder im Technologierecht und den verwandten Bereichen tätige Anwalt hat einen direkten Zugang bekommen. Für ein einheitliches Erscheinungsbild der Beiträge haben wir mehrere Administratoren, die jeden Beitrag vor der Veröffentlichung überarbeiten und dann freischalten können.

Gibt es Vorbilder für dieses Weblog? Im deutschsprachigen Raum ist DLA Piper meines Wissens die erste Großkanzlei mit einem eigenen Blog. Wie sieht das eigentlich international aus?

Wir haben uns an keinem speziellen Vorbild orientiert. Gerade in den USA gibt es durchaus einige bloggende Großkanzleien, auch im IT-Recht gibt es da interessante Projekte. Aber abgeschaut haben wir uns da nur sehr, sehr wenig.

Du selbst blogst ja schon seit 2003 im LAWgical zu Rechtsinformatik-Themen und kennst die „Blawgosphäre“ sehr genau. Wie sieht das bei deinen jetzt bloggenden Kolleginnen und Kollegen aus? Nehmen die bei dir Nachhilfe?

Ich meine ja, man sollte das mit dem Bloggen und der „Blawgosphäre“ nicht wichtiger nehmen als es ist. Letztlich kommt es auf die Inhalte an, also darauf, wie gut jemand schreiben kann. Und das können meine Kolleginnen und Kollegen ausgezeichnet. Meine Nachhilfe brauchen sie also zum Glück nicht. Auch mit der Technik kommen sie sehr gut zurecht – das sollte man von IT-Anwälten aber auch erwarten können.

Schade finde ich, dass Euer Blog keine Kommentare zulässt. Ich halte das für ein ganz wesentliches Merkmal für ein Weblog, das ja auf Diskussion angelegt ist. Warum verzichtet Ihr darauf? Und besteht vielleicht noch Hoffnung, dass sich DLA Piper in Zukunft öffnet?

Ich sehe durchaus die Vorteile von Kommentaren. Du musst aber bedenken, was wir mit dem Blog vor allen Dingen erreichen wollen, nämlich informieren. Dazu brauchen wir Kommentare nicht unbedingt. Ich würde sie auch nicht überbewerten. Wir werden dieses Thema aber weiter beobachten. Wenn wir das Gefühl haben, Kommentare würden unser Projekt doch weiterbringen, können wir unsere Entscheidung natürlich noch ändern. Technisch wäre das jedenfalls kein Problem.

Wo wir bei der Technik sind: Welches System setzt Ihr ein? Analysiert Ihre den Traffic mit einem Webcontrolling-Tool?

Wie zuvor gesagt ist unser System auf Skalierbarkeit ausgelegt. Deshalb nutzen wir keine klassische Weblog-Engine wie WordPress, sondern eine Blog-Plattform, mit der man „per Mausklick“ neue Blogs auf der Plattform erzeugen und parallel verwalten kann. Unsere Plattform heißt Roller, das ist eine Open Source Software.

Traffic analysieren wir natürlich auch, aber nur mit eigenen Analyse-Tools.

Mit „wir“ meine ich in diesem Zusammenhang übrigens nicht uns Anwälte, sondern unsere IT-Abteilung in England. Die kümmern sich um alles Technische, während wir Anwälte für die Inhalte verantwortlich sind.

Jochen, ich danke dir ganz herzlich für das Gespräch und wünsche dir und deinen Kolleginnen und Kollegen viel Erfolg mit dem DLA Piper Technology & Sourcing Blog!

 

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