Methodigy – Interview mit Uwe Horwath

“Digitale Aktenarbeit & dynamische Vorlagen” – können Sie sich darunter etwas vorstellen? Ich konnte das nicht, als ich die E-Mail von Uwe Horwath bekam, in der er seine SoftwareMethodigy” vorstellte. Wir hatten uns schon beim DAT in Leipzig kennengelernt und als wir uns jetzt beim EDV-Gerichtstag in Saarbrücken wieder trafen, brachte der geschäftsführende Gesellschafter der METHODIGY GmbH Licht ins Dunkel:

Herr Horwath, Sie schreiben in Ihrer E-Mail, Ihre Software helfe Rechtsanwälten, den Herausforderungen gerecht zu werden, die der elektronische Rechtsverkehr im Bereich der inhaltlichen Aktenarbeit mit sich bringt. Was verstehen Sie unter “inhaltlicher Aktenarbeit” und welche Herausforderungen sehen Sie da?

Selfie mit Uwe Horwath (links) beim EDV-Gerichtstag in Saarbrücken

Wenn ich über die Herausforderungen des elektronischen Rechtsverkehrs für Anwälte und Kanzleien spreche, meine ich zuallererst die Folgen der aktiven Nutzungspflicht des beA. Wenn Anwälte Schriftsätze nur noch digital einreichen dürfen, müssen Sie in der Lage sein, ihre Akten effizient papierlos zu bearbeiten. Doch das stellt aktuell selbst die Kollegen vor Probleme, die schon seit Langem in ihren Kanzleien elektronische Akten eingeführt haben. Die digitale Aktenarbeit wird eine der großen Herausforderung des elektronischen Rechtsverkehrs sein.

Die meisten Kollegen berichten, dass das schnelle Blättern in der Papierakte für sie effizienter ist als eine Volltextsuche in elektronischen Akten. Warum ist das so? Weil Anwälte mit Inhaltestrukturen arbeiten. Sie wollen zum Beispiel wissen, wo sich zu einem bestimmten Vortrag der Gegenvortrag befindet. Auf Papier lassen sich Akteninhalte bisher deutlich einfacher strukturieren als in elektronischen Akten. Zusammenhänge zwischen Akteninformationen lassen sich bisher über Post-its, Randnotizen und Markierungen deutlich schneller finden, als in einer elektronischen Akte.

Inhaltliche Aktenarbeit bedeutet also die Strukturierung von Akteninformationen und die Verarbeitung dieser Informationsstrukturen zu neuen Texten.

Verstehe, und Sie haben jetzt also eine Software entwickelt, die dem Anwalt helfen soll, besser mit seiner elektronischen Akte inhaltlich zu arbeiten. Wie sieht das aus?

Methodigy ist in seiner Grundfunktion ein Strukturierungswerkzeug, das über umfassende Funktionen zur juristischen Analyse und Strukturierung von Akteninformationen verfügt.
Relevante Inhalte aus beliebigen Dokumenten können in Inhaltestrukturen überführt werden. Diese vermitteln ein präzises Bild davon, wie relevante Informationen gedanklich miteinander in Verbindung gesetzt und in Schriftsätzen oder Entscheidungen verarbeitet wurden.

Die elektronischen Inhaltestrukturen bilden Aktenwissen ab. Deswegen haben wir Methodigy um ein Wissensmanagement-Modul erweitert, das Aktenwissen mit Vorlagen und Mustertexte verknüpft. Auf diese Weise lösen wir das Problem, dass in Kanzleien sehr oft mit der Ablage von Fallakten wertvolles Wissen verloren geht. Früher habe ich zum Beispiel oft viel Zeit darauf verwendet, um nachzuvollziehen, wie ich selbst oder Kollegen Vertragsmuster auf bestimmte Fallkonstellationen individuell angepasst haben. Mit Methodigy sind die Klauseln des Vertragsmusters mit den alternativen Gestaltungen aus den konkreten Fallakten verknüpft.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, diese Software zu entwickeln?

Ich war lange Zeit als Rechtsanwalt im Gesellschaftsrecht tätig und hatte dabei den Anspruch meine Akten digital zu bearbeiten. Obwohl die elektronische Akte in meiner Kanzlei längst etabliert war, stellte mich die digitale Aktenarbeit bei komplexen Akten vor ernste Problemen. Ich wollte die Vorteile der Digitalisierung nutzen, erfuhr aber, dass wir bei der Arbeit mit herkömmlichen elektronischen Akten nur mit erheblichem Zusatzaufwand ausschließlich digital arbeiten können. Die Lösung war eine Software, die die juristische Wissensarbeit digitalisiert und zugleich sehr einfach zu bedienenden ist.

Sie nutzen das also auch selbst?

Ja, klar. Auch wenn ich als Softwareunternehmer viel weniger Zeit für die klassische anwaltliche Arbeit habe. Methodigy ist zugleich das Wissensorganisationstool unseres Unternehmens.

Haben Sie Ihre Software von vornherein mit dem Hintergedanken entwickelt, die auch zu vermarkten oder hat sich diese Idee erst später ergeben?

Meine Mitgesellschafter sind Softwareentwickler, die schon vor unserer gemeinsamen Zeit als Entwickler mit großem Erfolg selbständig waren. Ich habe sie für das Projekt nur gewonnen, weil ich sie vom Potential dieser Idee im Rechtsmarkt überzeugen konnte. Es war von Anfang an klar, dass die Entwicklung einer solchen Software eine riesige Investition darstellt. Deshalb mussten wir schon zu Beginn eine schlüssige Vermarktungsstrategie haben, die sich zugegebenermaßen mit der Zeit natürlich auch weiterentwickelt hat.

Wie reagieren die Kollegen, wenn sie denen die Software zeigen?

Den allermeisten gefällt, was sie zu sehen bekommen. Sie erkennen unmittelbar den Nutzen und erkennen ihre Arbeitsweise darin wieder. Das ist für mich die schönste Bestätigung für meine Arbeit.

Wie sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Da gibt es viele. Ich würde mich freuen, wenn es uns gelingt einen bedeutenden Beitrag zur Digitalisierung der juristischen Arbeit zu leisten. Da ich aus der Anwaltspraxis komme, weiß ich, dass das eine große Aufgabe ist. Sie wird nur gelingen, wenn Software sehr spezifisch auf die Anforderungen juristischer Arbeit antwortet und zugleich leicht bedienbar ist. Dafür arbeiten wir mit vollem Einsatz.

Herr Horwath, dabei wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und danke Ihnen sehr für das Gespräch.

Link: https://www.methodigy.de

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