Signierte E-Mail statt beA

Statt des „besonderen elektronischen Anwaltspostfachs“ (beA) sollen alle Rechtsanwälte in Deutschland ab sofort signierte E-Mails einsetzen. Das teilte die Bundesrechtsanwaltskammer heute völlig überraschend den Anwälten per Fax mit. Hintergrund seien die anhaltenden technischen Probleme des bestehenden beA-Systems: „Die Kolleginnen und Kollegen haben jetzt genug andere Sorgen. Wir sind wegen Corona sowieso alle im Krisen-Modus und treffen jeden Tag weitreichende Entscheidungen ohne große Diskussion. Diese wohl einmalige Gelegenheit haben wir genutzt, um uns des leidigen beaA-Problems zu entledigen.“, freut sich der BRAK-Präsident Dr. Ulrich Wessels.

S/MIME Standard

Technisch setzt die BRAK jetzt auf den schon seit 1995 bestehenden und bewährten S/MIME-Standard. Das ist insofern praktisch, weil jedes E-Mail-Programm sowieso S/MIME kann, d. h. die Anwälte können einfach weiterarbeiten wie bisher (bzw. wie früher) und ihre E-Mails mit dem gewohntem Programm, also Outlook, Thunderbird, Apple Mail oder was auch immer verschicken – sogar vom Smartphone aus. Die Installation einer zusätzlichen Software ist nicht erforderlich.

Zertifikat kostenlos

Alles, was der Anwalt braucht, ist ein S/MIME-Zertifikat. Das ist letztlich eine spezielle Textdatei, die auf dem Computer, Tablet oder Smartphone platziert werden muss und typischerweise alle paar Jahre erneuert wird. Das Zertifikat stellt die BRAK ab sofort jedem in Deutschland zugelassenen Anwalt zur Verfügung. „Das machen wir kostenlos – als kleines Dankeschön für die vielen Millionen, die uns  die Anwälte in den vergangenen Jahren für das beA zur Verfügung gestellt haben.“, erklärt der BRAK-Präsident mit einem Augenzwinkern.

Bald noch einfacher

Die Installation des Zertifikats ist leider immer noch recht kompliziert, aber auch hier gibt es gute Nachrichten, so Dr. Wessels: „Wir von der BRAK konnten Microsoft und auch Apple überzeugen, dass die Installation von S/MIME-Zertifikaten in beiden  Betriebssystemen schon ab der nächsten Software-Version sehr einfach werden soll.“

Es wird gemunkelt, dass S/MIME-Zertifikate dann mit nur einem Mausklick direkt aus dem E-Mail-Programm heraus aktiviert werden können – und zwar nicht nur für Anwälte, sondern für jedermann! D. h. binnen kürzester Zeit können die Anwälte nicht nur untereinander, sondern auch mit ihren Mandanten bzw. jeder mit jedem sicher über E-Mail kommunizieren.

Ausblick

Nachdem alles so gut läuft, will die BRAK jetzt noch weitere Kleinigkeiten in Angriff nehmen wie den Nachweis der Zustellung und das Spam-Problem. Insider rechnen mit fundierten Lösungen noch bis Ende der Woche.

4 Kommentare
  1. Märzenbecher
    Märzenbecher sagte:

    Danke für die Erinnerung. Ich muss noch das Kalenderblatt umdrehen…

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