Google 1-Sterne-Bewertung löschen – Betrug?

„Das klingt doch höchst interessant, finden Sie nicht? Soll ich mir das von dem Herrn mal erklären lassen?“, fragte mich gestern eine Kundin, Rechtsanwältin in Berlin. Angehängt an ihre E-Mail war die Notiz von Anwaltssekretariat.de über den Anruf eines Herrn, Anrufgrund „Vertreter“: „Er hat bei Ihrem Google My Business Account gesehen, dass Sie 2 Bewertungen mit nur einem Stern haben. Er kann Ihnen anbieten, diese zu entfernen. “ Hier meine Antwort:

Hallo Frau ***,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich werde ständig von Kolleginnen und Kollegen wegen solcher und ähnlicher Anfragen angesprochen und mir wurde sogar von Fällen berichtet, in denen das tatsächlich funktioniert hat. Trotzdem rate ich immer davon ab. Wieso?

Zum einen bin ich schon wegen der Kaltakquise immer sehr skeptisch, vgl. https://ralfzosel.de/lexikon/kaltakquise/

Vor allem aber habe ich manchmal den Verdacht, dass die Masche so funktioniert:

Jemand macht sich ein paar Google-Accounts und verteilt schlechte Bewertungen. Dann wartet er eine Weile und ruft an – wie jetzt bei Ihnen geschehen. Er wird behaupten, er könne dafür sorgen, dass die Bewertungen verschwinden und dass Sie kein Risiko eingehen, weil sie nur bezahlen müssen, wenn er erfolgreich ist. Ich glaube 170 € ist so ein üblicher Satz. Jetzt wartet er wieder eine Weile, löscht dann seine eigenen Bewertungen (das ist nämlich ganz einfach) und schickt Ihnen die Rechnung.

Wieviele Kunden würde man so an einem Tag schaffen? 5? 10? 20? Multipliziert mit 170 € mit der Anzahl der schlechten Bewertungen (in Ihrem Fall 2) – da käme ganz schön was zusammen.

Ich habe keine Ahnung, ob mein Verdacht stimmt und beweisen lässt sich das schon gar nicht. Die Verdienstmöglichkeiten scheinen jedenfalls astronomisch und die Chance erwischt zu werden minimal. Noch dazu sitzen die Burschen meistens im Ausland.

Was meinen Sie, könnte da was dran sein?

Schöne Grüße

Ralf Zosel

P. S. Natürlich gibt es auch seriöse Kollegen, die bei missbräuchlichen schlechten Bewertungen ganz redlich und legal weiterhelfen, wie z. B. den Kollegen Meibers aus Münster.

4 Kommentare
  1. RA Hechler
    RA Hechler sagte:

    Hallo Herr Kollege,
    haben Sie in diesem Zusammenhang Erfahrung mit Goldstar Marketing oder anderen? Hier kam es zumindest einmal vor, dass ein Kunde von uns eine negative Bewertung erhielt und 2 Tage später einen Anruf einer Agentur, die diese Bewertung löschen wollte

  2. Ralf Zosel
    Ralf Zosel sagte:

    Speziell von diesem Anbieter hatten mir mehrere meiner Kunden in der Tat schon öfter berichtet – das erste Mal vor 3 Jahren, damals noch mit Werbung für die Beschaffung von positiven Google-Bewertungen und letztes Jahr dann mit Angeboten, schlechte Bewertungen zu entfernen (nach dem oben beschriebenen Muster per Kaltakquise, allerdings nicht per Telefon, sondern per E-Mail). In einem Fall hatte sich ein Kollege darauf eingelassen und das hat offenbar reibungslos funktioniert. Ob mein Verdacht der Manipulation allerdings stimmt, weiß ich natürlich nicht – die Rechnung kam jedenfalls aus Larnace auf Cypern.

  3. Norbert Weber
    Norbert Weber sagte:

    Hallo Herr Zosel, Herr Hechler,

    ich bin der Gründer von Goldstar Marketing und muss mich immer wieder wundern warum uns unterstellt wird, dass wir negative Bewertungen schreiben um anschließend die Löschung anzubieten.

    Warum müssen wir das nicht machen?

    1.) weil es aktuell ca. 50 Millionen negative Bewertungen in Deutschland gibt und wahrscheinlich tausende jeden Tag neu dazu kommen.

    2.) Weil der Aufwand zu groß ist mit einem Vorlauf von 4-6 Monaten negative Bewertungen zu schreiben um dann die Löschung anzubieten (wie z.B. bei Frontal21 unterstellt)

    Warum kommt es dann trotzdem zu diesen Gerüchten?

    Weil wir tatsächlich täglich hunderte von Werbe-Mails verschicken an potentielle Kunden bei denen wir einen Bedarf sehen.

    Bekommt solch ein Kunde, der schon negative Bewertungen hat dann zufällig zwei Tage bevor wir ihn anschreiben eine weitere negative Bewertung, dann kann es so aussehen als ob es gesteuert wäre – es war aber nur Zufall auf Grund der Masse an Mails die verschickt werden.

    Das ist meine logische Erklärung, die sie vielleicht nachvollziehen können. Die Staatsanwaltschaft konnte sie zumindest nachvollziehen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Norbert Weber

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  1. […] Eickhoff, bei mir häufen sich Anfragen von Kollegen, die immer dreister von Betrügern und neuerdings auch unzufriedenen Mandanten (s. o.) abgezockt oder erpresst werden. Können Sie […]

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