Screenshot Schlechte Google-Bewertung löschen

Schlechte Google-Bewertung löschen – Ein Erfahrungsbericht

Jemand kann Sie nicht leiden? Kann vorkommen, denken Sie wahrscheinlich achselzuckend – gerade als Anwalt. Wenn derjenige dann aber über sie herzieht und Google dafür sorgt, dass jeder mit der Nase darauf stößt, dann kann das Ihnen bzw. Ihrem Geschäft schaden.

Ich beschäftige mich mit dem Thema Anwaltsbewertungen schon seit Jahren und werde immer mal wieder von Kollegen angesprochen, die mit schlechten Bewertungen konfrontiert sind. In den meisten Fällen konnte ich helfen und oft die schlechte Google-Bewertung löschen lassen.

Schlechte Google-Bewertung (1 Stern)

Ende November hatte es mich dann selbst erwischt: Wer nach meinem Namen googelte, stieß auf die 1-Sterne-Rezension von „shiraz ott“ (siehe nebenstehenden Screenshot). Ganz egal war mir das nicht – laut Statistik von Google My Business wird mein Eintrag pro Quartal mehr als 400 Mal angezeigt.

Keine Hilfe vom Google-Support

Also rief ich (ohne große Erwartungen) bei Google an. Sebastian erklärte mir geduldig, dass er das nicht entscheiden könne und ich mich an die Fachabteilung wenden solle. Ob die das löschen oder nicht, müsse ich dann schauen. Eine Benachrichtigung oder gar Begründung bekomme man nicht. Manchmal dauere das 3 Tage, manchmal 2 Wochen.

Keine Reaktion der Fachabteilung

Nach 3 Wochen war der Eintrag noch immer da. Hätte mich auch gewundert. Aus Erfahrung und Diskussionen mit Google-Mitarbeitern in anderen Fällen wusste ich schon, dass immer nur sehr restriktiv gelöscht wird. Die Meinungsfreiheit wird hochgehalten und jede eigene Verantwortung weist man von sich: Google stelle nur die Plattform zur Verfügung und habe da sonst gar nichts mit zu tun. Ich sehe das anders: Durch das Etikett „Google-Rezension“ macht Google sich diese zu eigen, oder nicht?

Keine Rücksicht nimmt Google auf Google-Partner (wie in meinem Fall) oder AdWords-Kunden (wie in anderen Fällen) – selbst wenn diese z. B. über Jahre schon fast 1 Mio. € an Google überwiesen haben. Ja, ich habe Kunden, die machen das.

Beschwerde an die Google-Rechtsabteilung

Formular zur Beschwerde an die Google-Rechtsabteilung (schlechte Google-Bewertung löschen)

Formular zur Beschwerde an die Google-Rechtsabteilung (schlechte Google-Bewertung löschen)

Also weiter: Beschwerde an die Rechtsabteilung von Google mit dem etwas länglichen Formular (siehe nebenstehenden Screenshot). [Nachtrag: Das Formular ist jetzt hier zu finden.] Die Antwort kam prompt:

Wir haben Ihre rechtsrelevante Anfrage erhalten. Ihre Mitteilung konnte noch nicht bearbeitet werden, da wir täglich viele solcher Beschwerden erhalten. Wir werden uns schnellstmöglich um Ihr Anliegen kümmern.

Gleichzeitig habe ich eine Antwort auf die Bewertung veröffentlicht (Screenshot) und die später wie folgt ergänzt:

Ich kenne niemanden mit dem Namen „shiraz ott“ und wenn man nach dem Namen sucht, findet man überhaupt keine Treffer dazu im Internet – was ja heutzutage zumindest mal etwas merkwürdig ist. Davon abgesehen bin ich der Meinung, dass dieser Eintrag gegen die „Richtlinien für Rezensionen“ von Google verstößt. Darin heißt es: „Immer korrekt: Verwenden Sie keine anstößigen oder verletzenden Formulierungen. Wir entfernen außerdem alle Rezensionen, die einen persönlichen Angriff auf eine andere Person darstellen.“ Ich habe das am 30.11.17 als Richtlinienverstoß bei Google gemeldet. Erwartungsgemäß erfolgte keinerlei Reaktion.

Auf telefonische Nachfrage am 21.12.17 empfahl mir der Support, das per Formular an die Rechtsabteilung zu melden, was ich der Vollständigkeit halber auch gemacht habe.

Seit Jahren kommen immer wieder Kunden auf mich zu mit Bewertungs-Problemen bei Google und anderswo. Rechtsanwälte sind ja nicht bei jedem immer nur beliebt und die Konkurrenz ist groß. In einigen Fällen war es mir dann gelungen, die Löschung der betreffenden „Rezension“ zu erreichen. Oft ist es aber das einfachste, sich um ein positive Bewertungen zu bemühen, so dass die paar schlechten Bewertungen an Gewicht verlieren.

Ich werde das Thema in Kürze noch einmal bei mir im Blog aufgreifen: ralfzosel.de/blog

Offenbar war Rechtsanwalt Hembach darauf gestoßen und hat mir 5-Sterne gegeben. So stand ich schon nicht mehr ganz so blöd da. Vielen Dank an den netten Kollegen!

Endlich: Google löscht schlechte Bewertung

Keine 4 Wochen später erhielt ich folgende Nachricht von Google:

Da Sie der Weiterleitung Ihres Schreibens hinsichtlich der folgenden Bewertung an den Verfasser nicht widersprochen haben, haben wir Ihre Beanstandung weitergeleitet (…) Sollten wir keine Antwort von dem Verfasser des oben zitierten Erfahrungsberichtes erhalten, wird dieser in Kürze entfernt werden.

Und nach einer weiteren Woche:

Ihr Anliegen wurde gemäß der Richtlinien von Google Inc. zur Entfernung von Inhalten geprüft. Die folgende Bewertung wird in Kürze aus Google My Business entfernt (…)

Fazit

Schlechte Google-Bewertung löschen? Geht doch! Als Anwalt kann man natürlich auch gleich anders rangehen mit Drohbriefen, einstweiliger Verfügung und Klage. Aber letztlich ist das ja auch mühsam und ich bin halt mehr so der nette Typ. ;-)

 

11 Antworten
  1. Bernd
    Bernd says:

    Was ich schon seltsam finde:
    Zitat: „Ich kenne niemanden mit dem Namen „shiraz ott“ und wenn man nach dem Namen sucht, findet man überhaupt keine Treffer dazu im Internet – was ja heutzutage zumindest mal etwas merkwürdig ist.“

    Dass im Web Pseudonyme, Benutzernamen verwendet werden, die auch keine Rückschlüsse auf Klarnamen nehmen müssen-brauchen, ist doch absolut normal und legitim, aber „merkwürdig“ finde ich das nun nicht :-)

  2. Ralf Zosel
    Ralf Zosel says:

    Letzte Woche habe ich folgende Nachricht aus einer Kanzlei in Berlin per E-Mail erhalten. Auf Nachfrage war die Absenderin einverstanden, dass ich das hier ohne Namensnennung veröffentliche:

    „(…) vielen Dank für diesen aufschlussreichen Blogbeitrag. Auch wir hatten Anfang März mit einer negativen Bewertung bei Google „zu kämpfen“, die keinem unserer Mandanten oder einer Beratung zugeordnet werden konnte. Dank Ihrer Anleitung haben wir uns an Google gewandt (wobei wir nicht mehr anrufen konnten – Nummern konnte ich hierzu keine finden …-) ) und 14 Tage später war die Bewertung gelöscht.

    In unserem Fall konnten wir direkt die Bewertung als „unangemessen“ melden und haben aber dennoch Ihre Antwort – in angepasster Form, da keine Verunglimpfung sondern einfach falsche Angaben gemacht wurden – veröffentlicht. Wie gesagt, Google hat sehr schnell reagiert und bei Prüfung nach ca.14 Tagen war die falsche Bewertung gelöscht.

    Google scheint hier seinen Service deutlich verbessert zu haben :-) .

    In jedem Fall vielen Dank für Ihren Tipp, ohne diesen hätten wir nicht so schnell gewusst, wie man auf so eine Bewertung reagieren kann und sollte. (…)“

  3. semaf
    semaf says:

    Danke für den netten Beitrag! Gibt es einen Link wo man den Formular für die Meldung findet? Der Screenshot ist leider unausreichend.

  4. Ralf Zosel
    Ralf Zosel says:

    Das Formular ist in der Tat gut versteckt und ich hatte es selbst nicht mehr gefunden – bei Google ändert sich sowas ja andauernd. Eine sehr nette Dame aus der Schweiz hat mir jetzt noch einmal den Weg gezeigt:

    https://support.google.com/legal/troubleshooter/1114905?hl=de#ts=7170398%2C2365046%2C2365082%2C7449754

    Ganz am Schluss anklicken:

    Sollten Sie dennoch eine rechtliche Anfrage einreichen wollen, benutzen Sie bitte unser Formular für rechtliche Anfragen.

  5. Meiner
    Meiner says:

    Das nennt sich Meinungsfreiheit. Damit muss man eben umgehen können. Und wenn man es nicht kann, kauft man ein paar „Gute“ Bewertungen ein.

  6. AnitaS
    AnitaS says:

    Jetzt muss ich mich auch kurz zu Wort melden.
    @ Meiner, ja, gegen Meinungsfreiheit habe ich nichts aber bitte, sich hinter einem falschem Namen zu verstecken ist einfach unfair. Ich bin selber auch betroffen, habe seit gestern auch eine schlechte Bewertung, der Name des Kunden stammt definitiv nicht aus meiner Kundendaten. Und ich soll es einfach so akzeptieren? Nein, das finde ich nicht richtig. Ich finde es richtig dagegen vorzugehen, wenn es einfach, aus welchen Gründen auch immer, nicht stimmt. So eine unüberlegte und vor allem unberechtigte schlechte Bewertung ist geschäftsschädigend. Und zu den gekauften Bewertungen soll man sich einfach die Frage stellen, wem mache ich hier etwas vor? Mir oder meinen Kunden? Denn spätestens dann, wenn der Kunde im Laden ist, merkt er doch ob die Bewertungen richtig oder doch gekauft sind.
    In diesem Sinne, immer fair und bei der Wahrheit bleiben .
    Liebe Grüße, Anita

  7. Anne
    Anne says:

    Guten Tag,

    Dieser Beitrag ist mir eine große Hilfe !
    Ich wurde auf meinem Business Portal Googlemaps von einer AVIS Mitarbeiterin, die sich unter falschem Namen angemeldet hat als dreckig uvm. beschrieben, obwohl diese noch nie eine Kundin von mir war sondern mich einfach nicht mag !!!
    Da ich ein Kosmetikstudio betreibe, Kunden sich wohl Rezessionen durchlesen, manche sich negativ beeinflussen lassen durch solche unwahren Behauptungen… das Ende kennt man muss ich nicht ins Detail gehen – man verliert potenzielle Kunden!!
    Jetzt will ich diese Bewertung rauslöschen lassen, habe aber das Problem, dass es bei der Signatur scheitert und ich das Ganze nicht abschicken kann an Google .

    Was kann ich machen ? Danke für die Unterstützung! :)

  8. Erdem
    Erdem says:

    Lieber Herr Zosel,

    ich habe ein ähnliches Problem, allerdings ist der Verstoß in meinem Fall ein Mitarbeiter, der sich für die Kündigung rächen will (auch ein Verstoß gegen die Google Richtlinien). Das Formular, das Sie allerdings zeigen habe ich nicht gefunden, entweder existiert es nicht mehr oder es ist gut versteckt.
    Vielleicht haben Sie einen Tipp?

    Vielen Dank und viele Grüße

  9. N.
    N. says:

    Danke für die Anleitung. Ich habe ein ähnliches Problem nur aus einer Arztpraxis. Das ist aber in einer Anwaltskanzlei doch ähnlich: wie löst man das Problem der Schweigepflicht? Die Bewertung ist zwar unter Psydonym, für mich aber eindeutig zuzuordnen. Sobald ich mich an Google wende, bestätige ich ja damit sozusagen schon den Patientenkontakt. Oder ist das hinfällig, weil der Patient die Bewertung abgegeben hat und damit selbst den Kontakt bestätigt hat?

  10. R. Hecksteden
    R. Hecksteden says:

    Ohne auf den Einzelfall eingehen zu dürfen, muss die Schweigepflicht aus § 203 StGB zurücktreten, wenn der es um die Wahrung von Interessen des Schweigeverpflichteten geht. Also z.B. bei der Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche oder dem Entgegentreten bei übler Nachrede. Ob man bei Letzterem mit einer Strafanzeige oder mit dem Kontaktieren von Google besser fährt, kommt auf die Umstände des Einzelfalls an.

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