Online an der Karriere basteln

Internet für aktive Jurastudierende

Der Beitrag wurde erstveröffentlicht im Beck’schen Studienführer 2012/2013 (S. 14 – 16).

Dass Personalchefs gezielt nach Bewerbern googlen und deren Facebook-Profile checken, hat sich inzwischen herumgesprochen. Um den Berufseinstieg nicht zu vermasseln, hält man sich deshalb mit Partybildern zurück und achtet auf restriktive Privatsphäre-Einstellungen. Das wissen inzwischen schon Schüler und erst recht Studenten. Aber nur die Wenigsten setzen die Online-Medien gezielt ein, um ihre Karriereaussichten zu beflügeln. Dabei bietet das Web gerade für angehende Juristinnen und Juristen ungeahnte Möglichkeiten. Wer sich schon während der juristischen Ausbildung gezielt im Internet positioniert, hat bei der Jobsuche entscheidende Vorteile.

Aller Anfang ist leicht

Wer sich entschließt, das Internet professionell zu nutzen, kann sich am einfachsten als Gast an einer der zahlreichen juristischen Plattformen beteiligen. Mehr als 560 Blogs zu Themen aus allen Rechtsgebieten finden Sie auf JuraBlogs (jurablogs.com). Geben Sie doch einfach mal ein Stichwort aus der Vorlesung in die JuraBlogs-Suche ein! So finden Sie z. B. 38 Blogbeiträge, die sich mit »Kündigung, Mietvertrag, Eigenbedarf« beschäftigen, darunter eine Besprechung der BGH-Entscheidung zum Eigenbedarf für Neffen und Nichten von Rechtsanwalt Andreas Schwartmann aus Köln. Auf dessen Blog »Heimspiel« können Sie einen Kommentar hinterlassen. Gibt es etwas zu ergänzen? Wollen Sie etwas kritisch anmerken? Trauen Sie sich! Beziehen Sie Stellung! Viele juristische Blogs (wie z.B. »Telemedicus«) sind auch für Gastbeiträge offen – für Studierende eine tolle Möglichkeit, ihr Fachwissen der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Klarnamen bitte

Nur wenn Sie sich aus der Deckung trauen und Ihre Stellungnahme unter Ihrem richtigen Namen veröffentlichen, können Sie langfristig davon profitieren. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, immer wieder unter Ihrem Namen im Internet zu publizieren, werden Sie Teil der Netzgemeinde und man kennt Sie irgendwann in der sog. »Blawgosphäre«. Und was meinen Sie, was Ihr zukünftiger Chef Augen macht, wenn er bei Google seitenweise Diskussionen mit anderen Jurastudenten, Rechtsanwälten und Professoren unter Ihrem Namen findet?

Das Netzt vergisst nie

Denken Sie immer daran: Alles, was Sie online veröffentlichen, ist quasi für die Ewigkeit. Deshalb beherzigen Sie – vor allem bei Veröffentlichungen unter Ihrem Klarnamen – unbedingt die Regel: Erst denken, dann posten!

Learning by doing

Wenn Sie für Ihre Postings sorgfältig recherchieren, lernen Sie nebenbei eine ganze Menge Jura. Und darüber hinaus üben Sie sich in der vielleicht wichtigsten juristischen Disziplin: Sie lernen zu argumentieren und sich in der fachlichen Diskussion zu behaupten. Und dann kann es Ihnen passieren, dass Ihnen ein Vorsitzender Richter am OLG in der Diskussion mit einem Staatsanwalt beispringt und Sie sind als Drittsemester mittendrin. Da kommt Freude auf!

Ihr eigenes Blog

Noch mehr Persönlichkeit als mit Beiträgen auf fremden Plattformen zeigen Sie mit Ihrer eigenen Homepage. Am besten richten Sie sich ein Weblog ein, das Sie gezielt mit juristischen Themen füttern. Jessica Große-Wortmann z. B. bloggt unter dem klingenden Namen Juristischer Gedankensalat »rund um das Studium der Rechtswissenschaften und dem, was Freizeit genannt wird« (juristischer-gedankensalat.de). Sie können sich aber auch auf Fachliches konzentrieren und die Domain passend zu Ihrem eigenen Namen wählen. Später, als frisch gebackener Anwalt, haben Sie dann eine Kanzlei-Homepage, die bereits im Netz etabliert ist mit vielleicht schon mehreren Hundert Besuchern (und potenziellen Mandanten) im Monat.

Vernetzen Sie sich

Gerade wenn Sie schon Ihr eigenes Blog betreiben, hilft die Beteiligung auf fremden Plattformen, Ihr Projekt bekannt zu machen. Beim Kommentieren fremder Blogbeiträge können Sie neben Ihrem Namen auch die Internetadresse Ihrer Homepage angeben. Jeder Link verbessert die Auffindbarkeit bei Google und bringt Ihnen neue Leser. Und scheuen Sie sich nicht davor, fremde Beiträge von Ihrem Blog aus zu verlinken. Statt also den Blogbeitrag des Kollegen nur mit einem Kommentar zu versehen, können Sie ihn auch mit einem eigenen Beitrag in Ihrem eigenen Blog aufgreifen. Die so Zitierten werden Ihrem Blog künftig Beachtung schenken und sich vielleicht auch einmal revanchieren.

Auch Twitter und XING lassen sich gezielt einsetzen, um sich mit Gleichgesinnten oder späteren potentiellen Arbeitgebern zu vernetzen und dabei das eigene Projekt und letztlich auch sich selbst bekannt zu machen. Des Weiteren finden Sie eine Fülle von juristischen Communities, Foren und Mailinglisten im Netz, die Sie für Ihre Zwecke einsetzen können.

Nachhaltigkeit

Beim Aufbau Ihrer »Online-Persönlichkeit« als Jurist sollten Sie behutsam vorgehen. Wichtiger als der schnelle Erfolg ist die Nachhaltigkeit. Es erfordert schon einen langen Atem und Disziplin, über Jahre sein Projekt voranzutreiben. Dauerhaft sein Blog zu befüllen und zu etablieren macht eine Menge Arbeit und kostet Zeit. Die Kunst besteht darin, das Studium mit den Netz-Aktivitäten nicht zu behindern, sondern zu befördern.

Beispiel Juraexamen.com

Nicht nur Blogs, sondern auch andere Online-Aktivitäten sind geeignet, künftige Arbeitgeber zu beeindrucken. Michael Hensen konzipierte 2003 als Freiburger Jurastudent das Internetforum Juraexamen.com. »Ich hatte Spaß an der Technik und wollte ein Forum schaffen, um mich während der Examensvorbereitung mit Gleichgesinnten austauschen zu können.«, erinnert sich Hensen. Inzwischen hat die Plattform mehr als 7.000 registrierte Mitglieder, die schon rund 100.000 Beiträge zu Examensprüfung, Lernmethoden und das Referendariat veröffentlicht haben. Hensen selbst begann nach seinem Referendariat als Justiziar und ist heute Leiter der Rechtsabteilung eines weltweiten IT- Dienstleistungsunternehmens.

»Mein Engagement für Juraexamen.com war definitiv hilfreich beim Berufseinstieg.«, erklärt Hensen. »Für die erfolgreiche Realisierung eines Internetprojektes braucht es viel Kreativität, Begeisterungsfähigkeit und Tatkraft – Eigenschaften, die bei Arbeitgebern hoch gefragt sind. Wenn Projekte dann online stattfinden, können sich diese davon sogar einen eigenen Eindruck machen. Ein schöner Nebeneffekt, auch wenn die Verbesserung der Situation in der Examensvorbereitung meine eigentliche Triebfeder war.«

Hilfe

Sie möchten aktiv werden und Ihr eigenes Projekt im Netz starten? Die ehrenamtliche Initiative »Freie juristische Internetprojekte« hat es sich zur Aufgabe gemacht, Betreiber juristischer Weblogs und anderer Online-Projekte zu unterstützen und sie miteinander bekannt zu machen. Unter www.fjip.de finden Sie Tipps und Ansprechpartner für Ihre Fragen.

2 Antworten
  1. Bastlerin
    Bastlerin sagt:

    … über das Vorgehen von HR-Abteilungen / Personalern bin ich auf diese Seite gestoßen. Vielen Dank für diese kompakten Informationen, die mir helfen, mein Referat sauber über die Bühne zu bringen.

    LG aus Berlin

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