anwalt.de – Meine Einschätzung

Einer meiner Kunden schreibt mir per E-Mail:

Regelmäßig erhalten wir Werbung von anwalt.de. Wie ist Ihre Einschätzung zu diesem Suchdienst und zu Suchdiensten im Allgemeinen? Ist ein Suchdienst für die Sichtbarkeit im Internet eine große Hilfe? (…) Macht es Sinn, sich bei vielen Suchdiensten einzutragen oder ist es besser, die jährlichen Kosten für Suchdienste besser für gezielte Werbung über AdWords zu nutzen.

Meine Antwort:

Hinweis: Als ich meine Antwort-E-Mail fertig hatte, dachte ich, das passt doch auch ganz gut in den Blog. Der Kunde war einverstanden – et voilà:

Vielen Dank für Ihre Nachricht. Mir erscheint anwalt.de grundsätzlich seriös: Ich kenne die schon ewig und vor allem stoße ich ständig bei Google für alle möglichen RA-bezogenen Suchbegriffe auf die.

Die Frage ist immer, ob sich das für Sie rechnet, also: Wie viele neue Mandate kommen letztendlich darüber? Da bekomme ich ganz unterschiedliche Rückmeldungen von den Kollegen.

Wie bekommen Sie überhaupt mit, ob ein neuer Mandant über anwalt.de kommt? Kommen die Anfragen über die Nachrichten-Funktion von anwalt.de oder die Rückrufbitte, ist der Fall klar.

Neuerdings sind die Statistiken von anwalt.de etwas detaillierter, so dass ich ad hoc mal 2 Stichproben aus meiner Kundschaft ziehen konnte:

Anfragen laut anwalt.de in 1 Jahr (01.04.16 bis 31.03.17)

Kunde K1: 2 Anfragen
Kunde K2: 14 Anfragen

Nun ist nicht jede Anfrage ein Mandat und manchmal reißt ein einziges Mandat alles raus. Aber man wird schon sagen dürfen, dass es bei K1 eher fraglich ist, ob die Kosten wieder reinkommen und das bei K2 schon mal ganz gut aussieht.

Aber vielleicht gibt es ja auch noch Anfragen via Telefon oder E-Mail? Man könnte hier eine spezielle Messtelefonnummer und E-Mail-Adresse hinterlegen – dann wüsste man es genau. Sonst muss man sich auf Indizien verlassen.

anwalt.de zeigt Ihnen z. B., wie oft Ihre Kanzlei in der Trefferliste angezeigt wurde (leider erfährt man nicht, auf welcher Position) oder wie oft Ihr Kanzleiprofil aufgerufen wurde, Klicks auf Ihre E-Mail-Adresse, Download Terminvorbereitung-PDF, Aufruf des „Outlook-Kontakts“ (also der vCard) und Klicks zur Kanzleihomepage.

Für mich ist das stärkste Indiz für echtes Interesse am Anwalt der Klick auf den Link zur Kanzleihomepage. Auf anwalt.de sind die Informationen zum Anwalt eher knapp gehalten und jeder, der sich ernsthaft für einen Anwalt interessiert, will sich ein möglichst umfassendes Bild vom Anwalt zu machen. (Vorteil dieser Betrachtungsweise: Diese Klicks können Sie per Webanalytics als Referrer nachvollziehen – geht wieder seit 24.01.17). Hier die Stichproben:

Klicks zur Kanzleihomepage laut anwalt.de in 1 Jahr (01.04.16 bis 31.03.17)

Kunde K1: 34 Klicks
Kunde K2: 172 Klicks

Auch hier könnte man die Spur mit sog. Kampagnentracking weiter verfolgen – sonst bleibt es bei Mutmaßungen, wie viele Anfragen daraufhin erfolgten und wie viele Mandate und welcher Umsatz sich daraus generieren ließen.

Bleibt der Vergleich mit Google AdWords:

Mit AdWords erzielen wir für K1 monatlich rund 150 Klicks für ca. 275 €.

Bei K2 sind es monatlich rund 1.800 (!) Klicks für ca. 300 € (davon ca. 450 Klicks für ca. 150 € mit der Suche auf google.de und den Rest im Display-Netzwerk, zum Teil überregional).

Die Beispiele zeigen: Auch mit AdWords hängt alles vom Einzelfall ab.

Zurück zu anwalt.de: Was unterscheidet die beiden o. g. Kunden voneinander? Das Profil bei anwalt.de von K1 ist noch ausbaufähig, bei K2 schon sehr ordentlich. K1 sitzt am Rande einer größeren Stadt, K2 in der Großstadt.

Das scheint generell problematisch zu sein bei anwalt.de, wenn der Kanzleisitz in einem kleinen Ort direkt neben einer großen Stadt liegt. Dann stößt kaum jemand in der Suche auf Sie. Andererseits ist natürlich in den größeren Städten selbst auch die Konkurrenz entsprechend groß.

Ein weiterer großer Unterschied: K2 ist mit sog. Rechtstipps bei anwalt.de vertreten, K1 nicht. Das ist klar: Umso mehr Inhalte Sie bei anwalt.de hochladen, desto präsenter sind Sie auf der Plattform und letztendlich auch bei Google.

Was Sie hier allerdings bedenken sollten: Alles, was Sie auf der Plattform an Inhalten hochladen, stärkt in erster Linie anwalt.de und nicht das eigene Profil. Ich persönlich bin da immer vorsichtig und investiere lieber in meine eigene Plattform. Wenn Sie Ihre Themen auf der eigenen Kanzleihomepage ausführlich behandeln, kann Ihnen das auf Dauer mehr nutzen – wobei Sie ggf. auch hier neben der Arbeit auch noch Geld investieren müssen, z. B. indem Sie die Präsenz bei Google für Ihre Themen mit AdWords verstärken.

Einen Effekt haben Sie auf jeden Fall, wenn Sie sich auf anwalt.de oder einem anderen seriösen Anwaltsportal registrieren: Sie bekommen Backlinks und das hilft tendenziell Ihrer Kanzleihomepage bei Google nach oben. Hier können Sie freilich auch auf kostenlose Alternativen zurückgreifen.

Positiv sehe ich die Bewertungen bei anwalt.de, die Sie z. B. per Widget auch in die eigene Kanzleihomepage einbinden können. Nach meiner Beobachtung lassen sich die Besucher von vielen guten Bewertungen durchaus beeindrucken – auch wenn man bei genauerem Hinsehen auf anwalt.de so gut wie keine negativen Bewertungen findet. Das liegt natürlich auch daran, dass der anwalt.de-Kunde, also der Anwalt, selbst entscheiden kann, ob er sich bewerten lassen möchte oder die Bewertungsfunktion lieber ausknipst.

Mein Fazit: Wenn Sie anwalt.de ausprobieren möchten, brauchen Sie unbedingt ein aussagekräftiges und ansprechendes Profil. Testen Sie die Bewertungsfunktion und ggf. auch die Rechtstipps – wobei ich hier immer den Schwerpunkt auf die eigene Kanzleihomepage legen würde. Messen Sie alles, so gut es geht und schauen Sie, ob sich das für Sie lohnt. Für andere Anwaltssuchdienste gilt grundsätzlich das gleiche – wobei ein paar Backlinks (vor allem von kostenlosen Seiten) jedenfalls nicht schaden.

Und testen Sie AdWords – das ist im Detail zwar kompliziert, dafür lässt sich das aber hervorragend steuern und auswerten. Wie das Beispiel oben (K2) zeigt, können Sie damit in ganz andere Dimensionen vorstoßen.

Ich hoffe, meine Überlegungen helfen Ihnen weiter. Bei Fragen rufen Sie mich gerne an.

Hinweis: Ich unterstütze Kolleginnen und Kollegen bei der Akquisition von neuen Mandaten über das Internet. Dabei spielt Google AdWords eine große Rolle, aber ich helfe auch beim effizienteren Einsatz von anwalt.de und anderen Plattformen.

2 Kommentare
  1. R24
    R24 says:

    Guten Tag,
    Sie haben einen interessanten Blog. Ich hatte selber auch schon die Ahnung, dass man mit Beiträgen auf Portalseiten nur das Portal stärkt und nicht mehr die eigene Präsenz. Leider ist festzustellen, dass bei Googlesuchen nach Rechtsfragen die erste Trefferseite schon fast komplett nur noch mit solchen Portalseiten zugepflastert ist. Haben Sie auch dafür ein Rezept 🙂

  2. Herr D. aus K.
    Herr D. aus K. says:

    Ich denke, man muss das differenziert sehen. Solange man noch keine signifikante Präsenz in nativen Suchergebnissen für (s)einen Standort aufgebaut hat, macht ein Profil auf anwalt.de durchaus Sinn. Allerdings gibt es wie angesprochen einen Punkt, an dem es der eigenen Präsenz in den Google SERPS schadet, Drittplattform zu stärken. Das ist m.E. eine Abwägungsfrage, die man ggf. auch für einzelne Standorte ganz unterschiedlich beantworten kann. Adwords und noch mehr Facebook Ads halte ich persönlich im Allgemeinen für grob überschätzt. Dasselbe Geld in eine langfristige Content-Strategie investiert bringt m.E. wesentlich mehr.

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