Interview zu Anwaltsblogs – Karriere im Recht

Rechtsanwalt Florian Wörtz aus Stuttgart hat im aktuellen „Magazin für Referendare und Berufseinsteiger: Karriere im Recht“ einen Artikel mit dem Titel „Trend: Internet Blogs von Anwälten“ veröffentlicht. An den Beispielen von rechtzweinull.de und kanzlei-hoenig.de gibt er eine gute Einführung in das anwaltliche Bloggen. Ergänzt wird der Artikel durch ein Interview mit mir, das Sie hier im Volltext lesen können. Es ist aber auch das ganze Heft online abrufbar.

Ralf Zosel aus St. Wendel ist Rechtsanwalt und unterstützt seit Jahren Kolleginnen und Kollegen bei der Mandatsakquisition via Internet. Er hat u. a. für den Verlag C.H.Beck des beck-blog und die beck-community aufgebaut und bloggt selbst unter ralfzosel.de zum Thema Mandatsakquisition.

Karriere im Recht sprach mit ihm über die Erfolgsfaktoren für Blogs.

Herr Zosel, was zeichnet einen guten Anwalts-Blog aus? Wie unterscheidet sich ein Anwalts-Blog von anderen Blogs?

Ich gehe davon aus, dass man als Anwalt das Bloggen nicht nur aus Spaß an der Freude betreibt, sondern das auch als Instrument zur Mandatsakquisition einsetzen will. Dann ist ein guter Blog einer, der Mandate bringt. Das unterscheidet das Anwaltsblog vom privaten Katzen-Blog – nicht aber von professionell betriebenen Blogs aus anderen Branchen.

Wie kann ein Anwalt im Internet am besten Mandate akquirieren? Wie kann ein Anwalt einen Blog einsetzen, um Mandate zu akquirieren?

Die Mandatsakquise via Internet vollzieht sich in zwei Schritten: Schritt 1: Zunächst müssen die richtigen Leute auf die Seite kommen. Schritt 2: Die müssen dann dazu bewegt werden mit dem Anwalt in Kontakt zu treten und ihn zu mandatieren.

Schritt 1 passiert eigentlich fast von selbst, wenn man als Anwalt ernsthaft anfängt zu bloggen – also das mit einer gewissen Nachhaltigkeit betreibt und nicht schon nach ein paar Blogbeiträgen aufgibt, wie das leider so oft der Fall ist. Bloggt man über die Themen mit denen man sich tagtäglich beschäftigt dann häufen sich mit der Zeit Inhalte an, die relevant sind für die künftigen Mandanten. Gerade am Anfang ist es wichtig, dass das Blog nicht isoliert dasteht, sondern dass man sich und das Blog vernetzt. Wenn erst einmal ein paar Links auf das Blog zeigen, ist das nur noch eine Frage der Zeit, bis man bei Google für einschlägige Suchanfragen gefunden wird. Voraussetzung dafür ist, dass die Inhalte nicht nur interessant geschrieben und gut strukturiert sind, sondern die Seite auch technisch so aufgebaut ist, dass Google die gut lesen kann – Stichwort „SEO“.

Für den entscheidenden zweiten Schritt kommt es dann darauf an, dass die Inhalte überzeugen und der Anwalt als Person gut rüberkommt. Dann ist das eine Frage der Benutzerführung, ob der Blogleser zum Hörer greift oder das Online-Formular ausfüllt.

Für welchen Typ von Anwalt ist es sinnvoll einen Blog zu betreiben (Einzelanwalt, Großkanzlei etc.)?

Das ist keine Frage der Größe. Es kommt darauf an, dass man die nötige Zeit und Energie aufbringt, sich über mehrere Monate und Jahre immer wieder hinzusetzen und Blogbeiträge zu schreiben. Und die Sichtung und ggf. Beantwortung der Kommentare und Beobachtung der anderen Blogs macht sich auch nicht ganz von selbst.

Am besten gelingt das nach meiner Beobachtung, wenn man Spaß am Bloggen findet.

Gibt es im Hinblick auf die einzelnen Rechtsgebiete Bereiche, in denen es für Anwälte wirksamer und erfolgsversprechender ist zu bloggen?

Natürlich ist das einfacher, in eher exotischen Rechtsgebieten bei Google nach vorne zu kommen. Im Verkehrsrecht z. B. muss ich erst einmal an den Kollegen vorbei, die das schon seit Jahren sehr erfolgreich betreiben. Man kann aber in jedem Bereich seine Nische finden. So gibt es beispielsweise Kollegen, die bloggen zum „Motorradrecht“.

Seit Mitte der 90er Jahre gibt es Blogs. Wie haben sich seitdem die Blogs verändert?

Ich beobachte die juristischen Blogs schon seit 2002. Da gab es in Deutschland noch keine Handvoll juristischer Blogger. Als ich selbst mit einigen Kolleginnen und Kollegen im Herbst 2003 mit dem Bloggen anfing, war das Lawgical das zwölfte deutschsprachige „Blawg“.

Die Anzahl ist der juristischen Blogs ist in den folgenden Jahren auf ein paar Hundert gestiegen – gemessen an der Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte ist man als bloggender Anwalt also immer noch ein Exot.

Karriere im RechtErreichen Blogs die Bedeutung und Reichweite wie Veröffentlichungen in Fachzeitschriften?

Wie viele Mandanten erreichen Sie mit einem Aufsatz in der NJW? Für die meisten Rechtsgebiete dürfte hier die Zahl gegen Null tendieren. Schon besser sieht das mit einer Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift meiner Zielgruppe aus, wenn ich also z. B. in der Segler-Zeitung über Haftungsprobleme bei der Regatta schreibe. Aber Zeitungen landen schnell im Altpapier. Wenn ich denselben Inhalt in meinem Blog frei ins Internet stelle, wird der über Jahre mit einschlägigen Suchanfragen gefunden und bringt immer wieder Leser zu mir.

Ich mache das immer so: Wenn ich meine Inhalte schon einem Verlag schenke, behalte ich mir ein Verwertungsrecht auch für meine Homepage oder mein Blog.

Was sind die typischen Fehler von Anwälten im Internet allgemein und bei Blogs im Speziellen?

Entscheidungsbesprechungen sind ein beliebtes Genre in juristischen Blogs. Dabei sehe ich immer wieder, dass diese so verfasst werden, wie man es halt gelernt hat – d. h. man schreibt für die Kollegen. Viel interessanter ist es aber, die Entscheidung so zu erklären, dass der künftige Mandant die verstehen kann. Viele – nicht nur Anwälte – haben Angst vor Kommentaren und schalten die Kommentarfunktion ab. Für mich gehören Kommentare zum Mindeststandard – ohne Kommentarfunktion haben wir meines Erachtens gar kein Blog. In der Praxis zeigt sich, dass es sehr sehr selten zu Problemen mit Kommentaren kommt. Mal abgesehen von Spam, aber dagegen gibt es wirksame Filter.

Immer wieder kommt auch das Argument, dass man keine Links auf fremde Webseiten setzen will aus Angst die Nutzer zu verlieren. Das geht beim Bloggen gar nicht, das Blog lebt von der Vernetzung. Hier braucht man einfach ein bisschen mehr Selbstbewusstsein: Wenn mein Blog gut ist, dann kommen die Leute schon wieder.

Artikel von Rechtsanwalt Wörtz

5 Antworten
  1. Ida
    Ida sagt:

    Danke euch! Meine Schwester ist Rechtsanwaltin mit Schwerpunkt Verkehrsrecht und hatte mich beauftragt ihr eine Online-Präsenz zu ermöglichen. Nun wundere ich mich seit einiger Zeit ob ein Blog denn überhaupt notwendig ist oder eine ordentliche Website ausreichend sein sollte. Ihr habt das Bloggen relativ interessant angepriesen, ich denke ich werde mich auf jeden Fall ausprobieren.

  2. Ida
    Ida sagt:

    Danke für das Interview bezüglich der Karriere als Rechtsanwalt. Die ist mir komplett neu und ich hatte lange überlegt Jura zu studieren. Schön, dass auch der juristische Beruf vom Bloggen profitiert.

  3. Thomas Mendel
    Thomas Mendel sagt:

    Vielen Dank für diese interessanten Zeilen zum Thema Anwälte & Blogs! Wie man herausliest, kann ein Blog dienlich sein, sollte aber gut überlegt gestaltet werden. Würden Sie auch die Bedeutung von Anwaltssoftware in ähnlicher Weise einmal hier besprechen? Können Kanzleien auf Dauer ohne diese bestehen, oder wird ihr Einsatz zunehmend zwingend?

  4. Mira Darnow
    Mira Darnow sagt:

    Den Hinweis, dass Anwälte im Netz oft für die Kollegen schreiben und lieber für die Klienten schreiben sollten, kann ich nur begrüßen. Bei manch einem Blog versteht man selbst als gebildeter Mensch kaum, wovon die Rede ist. Das ist sehr schade.

  5. Louise
    Louise sagt:

    Ich schaue gern auf Blogs zum Verkehrsrecht nach, einfach weil mich das interessiert. Ich finde, dass sich viele so verändert haben, dass sie professioneller aussehen. Einige haben sich auch visuell verändert.

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